Evangelischer Posaunenchor Lampertheim
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Festgottesdienst

100 Jahre Posaunenchor Lampertheim, 29. Juni 2003

Predigt: PRÖPSTIN KARIN HELD

EG 317 „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren"

Liebe Gemeinde,

wenn Ihr Posaunenchor hier in Lampertheim auf eine einhundertjährige Geschichte, auf ein so langes Bestehen zurückblicken kann, dann fügen sich hier im Ort und in der Gemeinde viele Bilder und Erinnerungen zusammen. An einem Tag wie heute denken wir zurück an die vielen, vielen Menschen (Männer! Später auch Frauen und Kinder), die im Posaunenchor mitgespielt haben.

Wir denken an die unzähligen Anlässe, zu denen Ihre Musik erklungen ist: Gottesdienste, Gedenkfeiern, Vereinsfeste; es waren festliche Anlässe und traurige (Anlässe), fröhliche und feierliche Stunden. In einhundert Jahren hat sich vieles geändert:

das Gesicht der Stadt Lampertheim hat sich gewandelt und das ihrer kirchlichen Gemeinden, die Zeiten, die Menschen ... viele sind gekommen und gegangen. Die Sitten und Gebräuche in unserem Zusammenleben haben sich ebenso gewandelt wie vielleicht Ihr Miteinander in den Posaunenchor stunden. Aber einiges ist auch gleich und beständig geblieben in einhundert Jahren bis heute:

Ein Posaunenchor „... soll gegründet sein zur Ehre Gottes, zur Erbauung der Gemeinde und zur Freude seiner Mitglieder."

So formulierte es der Posaunenpastor Kuhlo vor hundert Jahren, und das gilt bis heute. Freude haben die Chormitglieder ein Jahrhundert lang stets gehabt: an der Musik, am gemeinsamen Musizieren, vielleicht weniger am anstrengenden Proben, sicherlich aber oft miteinander.

Die Gemeinde erbauen, das tun Sie heute so wie Ihre Posaunenchor-Vorfahren früher mit Ihrer „klingenden Verkündigung", mit Ihrem „musikalischen Evangelium".

Zur Ehre Gottes spielen, das ist der besondere und ewig bleibende unverwechselbare Auftrag eines Posaunenchores. Und so wollen wir auch heute am einhundertsten Geburtstag der Ehre und dem Lob Gottes in diesem Festgottesdienst den meisten Raum geben. Wie könnten wir das besser tun als mit dem bekanntesten aller Loblieder. Das Lied soll uns Predigttext und -thema sein. Es ist der Spitzenreiter in der kirchlichen Liederliste, dem Gefühl und der Statistik nach das meistgesungene Kirchenlied überhaupt, bekannt in allen Konfessionen, verbreitet in 31 Sprachen der Welt, (die erste Strophe steht jeweils in fünf Sprachen in unserem Gesangbuch), ein Lied, geliebt rund um den Erdball; kein anderes geistliches Lied kann wohl bei Jubiläen, Geburtstagen, Familienfeiern, bei Taufen, Konfirmationen und Trauungen noch mit so vielen Mitsingenden rechnen wie dieses!  In einhundert Posaunenchor-Jahren wohl unzählige Male mit Lust und Liebe mit Herz und voller Glaubens- und Lungen-Kraft gespielt.

„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren", das ist auch ein ökumenisch verbindender Lobpreis. Mit diesem Lied freuen wir uns heute am Lampertheimer Posaunenchor. Und mit diesem musikalischen Liebling der Weltchristenheit geben wir Gott Lob und Ehre.
„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" EG 317, Strophen 1-5
Liebe Gemeinde,

wenn man in der Stadt Mettmann im Rheinland ist und dort das „Neandertal- Museum" besucht, dann kommt man zunächst in den Eingangsbereich, geht dann durch die Kasse und gelangt schließlich in die Ausstellungsräume. Zu sehen ist alles Wissenswerte über das prähistorische Menschenskelett, das dort 1856 in der Gegend gefunden wurde. Der Fundort war das „Neandertal", und so nannte man das Fundstück den „Neandertaler". Raten Sie nun, welches Lied als ständige Begleitmusik für die Ausstellung im Neandertal-Museum erklingt?! : „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren"!

Warum?

Der Dichter unseres Liedes heißt Joachim Neander. Nach ihm wurde tatsächlich ein Tal östlich von Düsseldorf benannt, ein Tal, das nun lange nach seinem Tod zu einer weltberühmten wissenschaftsgeschichtlichen Lokalität geworden ist. Joachim Neander, Pfarrerssohn, hat zwar Theologie studiert, ist aber nie Pfarrer geworden, Lehrer und Erzieher wurde er, und Rektor einer Schule. Hoch musikalisch war er, fromm und gläubig, und dies anscheinend so überzeugend und glaubwürdig, dass viele Menschen sich um ihn scharten, wenn er - neben seiner Tätigkeit als Lehrer - noch geistliche Versammlungen abhielt. Dabei wurde gesungen, gebetet und die Bibel gelesen. Zum Ärger und Misstrauen der damaligen Kirchenleitung fanden diese Versammlungen in freier Natur und im Verborgenen außerhalb der üblichen Gottesdienstzeiten statt, in einer Gegend, der die Anhänger des Predigers dann später seinen Namen gaben: Neander-Tal. Sie konnten nicht ahnen, dass gerade dort später ein wichtiger Höhlenfund gemacht wurde, der dann auch den Namen des frommen Liederdichters bekommen sollte.

„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren"! Warum ist dieses Lied so bekannt und so beliebt?

•    Ist es wegen der Melodie? eine, nach der man Walzer tanzen könnte.

(Neander hatte ja ein Studentenliedlein genommen, die Melodie etwas verändert und ihr einen neuen Text gegeben.)

•    Ist der Text der Grund für den Erfolg und für die hohe Anerkennung des Liedes? Ein Text, der vielleicht den kleinsten gemeinsamen Nenner umschreibt, auf den sich gläubige Menschen jeglicher Färbung einigen könnten? Jesus Christus wird nicht ausdrücklich beim Namen genannt, obwohl - das weiß man -nach Meinung des Dichters der Heiland und sein Heil selbstverständlich immer vorausgesetzt werden.

•    Mögen wir dieses Lied, weil wir ihm zustimmen?

In fünf Strophen treffen wir neunmal auf die sprachliche Aneinanderreihung „Lobe den Herren, der ..." .

Und wir lesen und besingen neunmal das Geführtwerden (2), das Bewahrtwerden (2), das Geleitetwerden (3); wir singen davon, dass wir mit Gesundheit beschenkt wurden (3), mit Segen (4) und Liebe (4), ja, dass über uns schützende „Flügel" (3) gebreitet sind. Wertschätzen wir darum dieses Lied?

Weil wir das Bedürfnis haben, für all das, wenigstens dann und wann, zumindest an den Höhepunkten unseres Lebens (Geburtstag, Hochzeit, einhundertstes Jubiläum, ...) zumindest dann aus vollem Herzen Danke zu sagen?!

•    Oder macht das Thema des Liedes seinen beispiellosen Erfolg aus? Nämlich das Loben!

Fünf Strophen, und siebenmal die Aufforderung „Lobe!" Lobe, lobe, lobe. Das ganze Lied ist eine Aufforderung an die eigene Seele, und an sich selbst, Gott zu loben. Das ganze Lied diktiert uns Singenden die Lebenshaltung, die den Christen und Christinnen die angemessenste ist: Loben! „das ist mein Begehren" (Strophe 1). Und es kann nicht anders sein, weil - und der Dichter und so auch wir Singenden, wir reden uns ja beim Singen immer selbst mit Du an in diesem Lied - es kann nicht anders sein, als loben zu wollen und zu müssen, weil wir „geliebete" sind (Strophe 1).

Das ist das Thema des großartigen Liedes: das Loben. Der Dichter lädt dazu ein, Gottes Weltregierung (2), Gottes Schöpfungsfürsorge (3) und Gottes Segensfiille (4) wahrzunehmen. Und das Lied bietet die Möglichkeit, im Rückblick auf das eigene Leben vielleicht eigene Erinnerungen hinzuzufügen. Hab ich das erlebt? war das bei mir so? kenne ich das in meinem Leben? Kann ich so mein Leben deuten?

Strophe l: ein einziges Ausrufezeichen, aufwachen alle miteinander und loben.

Strophe 2: der Dichter begründet und argumentiert, warum. Lob ist ein Protest gegen die graue Wirklichkeit, ein Bekenntnis des Vertrauens, ein Potenzial an Hoffnung.

Strophe 3 und 4: wir singen von den Segnungen Gottes, der Dichter führt sie uns vor Augen. Auch in „viel Not". Joachim Neander und jedem Menschen sind andere Töne bekannt als der Lobpreis:

Fluchen, Schimpfen, Klagen, Weinen, Seufzen, Jammern, ... wir kennen das in unserem Leben, und wir haben oft Grund dazu. Und dennoch:

Strophe 5: „Seele, vergiss es ja nicht." Lass dir das Loben nicht nehmen.
„Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" Strophen 2, 3 und 4
Von einem Schriftsteller wird erzählt, dass er sich jeden Morgen nach dem Aufwachen die drei gleichen Fragen stellte:

1.   Was ist gut in meinem Leben?

2.  Worüber kann ich glücklich sein?

3.   Wofür sollte ich dankbar sein?

Er machte dabei zwei Erfahrungen. Das eine: die Antworten auf diese drei Fragen stimmen einen schon am Morgen freundlich und positiv. Sie fördern das Vertrauen in den eigenen guten Weg und erinnern uns an gute Erfahrungen, die wir mit uns selbst, mit anderen Menschen, mit Gott machen konnten. Und die zweite Erfahrung mit dieser Morgen-Übung: Die Antworten aufpräge l („Was ist gut in meinem Leben?") und Frage 2 („Worüber kann ich glücklich sein?“) bringen nicht immer gleich gute Ergebnisse. Sie sind stimmungsabhängig. Aber Frage 3 („Wofür sollte ich dankbar sein?"), diese Frage ist ein Volltreffer. Ganz gleich, wie schwer unser Tag auch zu werden droht, wie traurig oder erschöpft wir auch sein mögen,... es finden sich immer ein paar Dinge, für die wir dankbar sein können.

Es stimmt, was jemand einmal sagte:

„Lob und Dank ist das Gedächtnis des Herzens. "

Und ein anderes Sprichwort lautet:

„ Das Leben beginnt mit der Geburt,

setzt sich fort in der Erkenntnis

und endet in der Dankbarkeit. "

Ob wir nun einhundert Jahre zurückblicken oder zwanzig, vierzig, sechzig Jahre auf die Zeit unseres Lebens ...-   das Loben und das Danken gehört dazu. Das Loben ist ein Wesenselement des Lebendigseins, ein Ausdruck zugewandter Daseinsfreude. Loben, das ist die Form Ja zu sagen zum Leben, zu den anderen, zu Gott. So ist es kein Zufall, dass das Gesangbuch voll ist von Lobliedern. So ist es Richtung weisend, dass in der Bibel wohl viel mehr vom Gotteslob die Rede ist als vom Glauben, dass die Bibel zahlreiche Lobpsalmen enthält.

„Lobet Gott mit Posaunen!", so fordert der Psalm 150 auf. Und der Lampertheimer Posaunenchor hat diesem Aufruf einhundert Jahre lang Folge geleistet bis heute. „Lobet Gott mit Posaunen!", das tun der Lampertheimer Bläser und Bläserinnen ebenso wie zur zeit in Deutschland - so schätzt man - etwa 120 000 weitere insgesamt. Loben, das ist auch die beste Form, sich heute und in Zukunft am Posaunenchor zu freuen. Lob und Dank, dass es Sie gibt! ...

Ein Posaunenchor „... zur Ehre Gottes, zur Erbauung der Gemeinde und zur Freude seiner

Mitglieder."

Vier Sätze möchte ich uns noch zum Schluß mitgeben; vier Gedanken zum Loben und zur Wichtigkeit des Posaunenchores dabei:

l.   Loben kann man besser in der zweiten Lebenshälfte, wenn man älter ist, da weiß man, wie viel man verdankt (Gott, anderen Menschen) da weiß man, was man nicht aus eigener Kraft alles geschafft hat. Es ist ja doch so, dass vieles auch geschenkt ist, unverdient. Und um diese geistliche Lebensweisheit zu vermitteln, da ist es gut, wenn alt und jung im Chor zusammen spielen: die Generationen finden sich im Chor zum gemeinsamen Tun;

2.  Loben auf Aufforderung fällt schwer, und erst recht, wenn man allein ist. Der Chor macht es einem leichter. Loben drängt zur Mitteilung, zur Gemeinschaft; gemeinschaftliches musikalisches Tun steckt an, ist mitreißend und trägt auch meine einsame klägliche Stimme.

3.   Es gibt Situationen im Leben, dunkle Zeiten und schwere Stunden,

da bleiben einem die Worte weg, und da bleibt uns auch das Loben im Halse stecken. In diesen Situationen hilft ein Chor, da hilft die Musik, die er zu Gehör bringt. Vom Posaunenchor gespieltes Gottes-Lob, auch ohne meine Worte. Lob in Noten. Und es ist tröstlich, wenn wir auch nur still und beschenkt zuhören können.

4.   Für das Loben haben wir manchmal nicht die richtigen Worte und die passende Sprache. Da spielt der Posaunenchor die Texte der Alten. Er spielt zwar auch neue Musik, aber er spielt auch die alten Lieder und Verse aus unserer Tradition. Er hält sie uns somit lebendig, die Worte und Melodien, die sich bewährt haben in Generationen. Und wenn uns manchmal nicht die passende Sprache zum Loben zur Verfügung steht, da hilft uns der Chor mit seiner musikalischen Unterstützung und Erinnerungsarbeit.

All das leistet ein Posaunenchor.
Mit den ersten Zeilen aus einem längeren Gedicht möchte ich schließen. Vor vielen Jahren hat mein Großvater, der viele Jahre in einem Posaunenchor aktiv war, seine Liebe zur Musik so in Reime gefasst, und mir aufgeschrieben. Vielleicht finden sie auch bei Ihnen Anklang.

„ Musik, du bist das Wunderbare, das eines Menschen Herz erfüllt. Du bist das Hohe, Reine, Klare, das alle unsre Sehnsucht stillt.

Man kann doch niemals ganz verarmen, solang es Melodien gibt, die sich der Seelennot erbarmen   -Musik, die weint und lacht und liebt. "

Gottes Segen für die kommenden Jahre! Amen.